Donnerstag 17. August 2017

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28.04.2015
Von Kopfschmerz bis Hühnerauge

Plinius' Kleine Reiseapotheke veröffentlicht

Kai Brodersen
Kai Brodersen (Foto: Uni Erfurt)

Was tun, wenn man auf Reisen krank wird und vor Ort keine Apotheken und keine vertrauenswürdige Ärzteschaft findet? Plinius' vor fast zwei Jahrtausenden entstandene „Kleine Reiseapotheke“ weiß die Antworten: Von Kopfschmerz bis Hühnerauge bietet sie in einem handlichen Büchlein Ratschläge, wie man mit unterwegs leicht beschaffbaren pflanzlichen, tierischen und mineralischen Heilmitteln, aber auch mit manchem Hokuspokus beschwerdefrei zumindest durch das antike Römische Reich reisen kann.

Unfälle und Bisse von Tieren (und Menschen!), Hitze- und Kälteschäden und die Folgen ungewohnter Speisen für die Verdauung werden ebenso behandelt wie Haarausfall und graue Haare. Der bis ins Mittelalter weit verbreitete lateinische Text der sogenannten Medicina Plinii ist nun von Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, erstmals zweisprachig publiziert worden, im lateinischen Original und einer parallel dazu gedruckten neuen deutschen Übersetzung; eine ausführliche Einführung erschließt den Text für eine heutige Leserschaft.

Der Band knüpft an eine Erfurter Forschungstradition an: An der Erfurter Medizinischen Akademie hatte sich 1966 der aus dem Eichsfeld stammende Mediziner und spätere Erfurter Professor Hans Gertler mit einer Arbeit „Über die Bedeutung der Medicina Plinii“ habilitiert und später zwei medizinischen Dissertationen betreut: von Christoph Estel „Über die volksmedizinischen Anteile der Medicina Plinii“ und Gert Linder über „Die magischen Mittel und die Mittel der Dreckapotheke in der Medicina Plinii“. Kai Brodersen untersucht und präsentiert das Werk nun aus historischer Sicht und erstmals zweisprachig. Das Buch bietet so einen faszinierenden Einblick in die Welt der Antike.

Kai Brodersen
Plinius' Kleine Reiseapotheke
Stuttgart: Steiner-Verlag 2015 / ISBN 978-3-515-11026-6 / 203 Seiten / 39 Euro