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14.04.2015
Knautschzone Balkan

Geologen starten Forschungsprojekt zur Gebirgsbildung im Adriatischen Raum

Der Shkodra-See zwischen Montenegro und Nordalbanien
Der Shkodra-See zwischen Montenegro und Nordalbanien (Foto: Kamil Ustaszewski/FSU)

Was passiert, wenn zwei bewegte Körper aufeinanderstoßen, lässt sich unter anderem im Straßenverkehr beobachten: Fährt ein Auto auf ein anderes auf, gibt es meistens Blechschaden. Je nachdem wie stark der Aufprall war, legt sich die Karosserie entlang der sogenannten Knautschzone in Falten. „Ganz ähnlich verhält es sich, wenn zwei Platten der Erdkruste aufeinandertreffen, nur die Zeiträume sind sehr viel größer“, sagt Prof. Dr. Kamil Ustaszewski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Stoßen, angetrieben durch die Plattentektonik, zwei Kontinentalplatten aufeinander oder schiebt sich eine ozeanische Platte unter eine Kontinentalplatte, so entstehen Falten in Form von Gebirgen, erläutert der Strukturgeologe.

In Europa sind solche Prozesse zum Beispiel an der Küstenlinie der Balkanhalbinsel zu sehen. Die adriatische Platte schiebt sich hier unter die Eurasische Kontinentalplatte. Mit wenigen Millimetern wandert der Absatz des italienischen Stiefels jährlich auf die Küste der Balkanhalbinsel zu und faltet diese zu Gebirgszügen zusammen.

Die Auswirkungen auf die „Knautschzone“ der Balkanhalbinsel insbesondere in der Landschaft in Albanien und Montenegro untersuchen Prof. Ustaszewski und sein Fachkollege Prof. Dr. Klaus Reicherter von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen nun in einem neuen Forschungsprojekt. Der Titel des Vorhabens „Almond“ steht für „Albania and Montenegro neotectonic deformation“. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 350.000 Euro gefördert.

Die Geologen wollen in den kommenden drei Jahren Indizien in der Landschaft aufspüren, an denen sich die Gebirgsbildungsprozesse und die zugrundeliegenden plattentektonischen Prozesse des adriatischen Raumes nachweisen lassen. So werden sie etwa Terrassensedimente untersuchen, die Flüsse zu unterschiedlichen Zeiten in der Landschaft abgelagert haben und Modelle erstellen, die ihren Entstehungsprozess veranschaulichen. Damit soll das Alter der noch jungen Faltenzüge an der Küste beider Länder genauer ermittelt und so eine verbesserte Chronologie der bisherigen Gebirgsbildung erstellt werden. Zum besseren Verständnis des tektonischen Baustils der Faltenzüge planen die Forscher unter anderem Kartierungen im Gelände, die sie gemeinsam mit Studierenden aus Jena und Aachen sowie mit Forscherkollegen aus Albanien, Montenegro und Kroatien vornehmen wollen.

Neben grundlegenden Erkenntnissen über die Entstehung der Landschaftsformen und ihrer Ursachen erhofft sich das Forscherteam aus Jena und Aachen auch ein besseres Verständnis der Erdbebengefährdung der Region. „Nach europäischen Maßstäben gibt es eine enorm hohe Erdbeben-Aktivität in diesem Raum“, erklärt Ustaszewski. Auch dafür liege die Ursache in der besonderen tektonischen Konstellation der „Knautschzone“ Balkan.

Quelle: Pressemitteilung
Friedrich-Schiller-Universität Jena