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13.01.2013
Immer ein fröhlicher Maler

Van-de-Velde-Jahr beginnt mit Max Ackermann im Kunsthaus Apolda

Komposition - Ulm 1935 - Pastellkreide (ACK 6246)
Komposition - Ulm 1935 - Pastellkreide - (Foto: Max Ackermann-Archiv, Bietigheim-Bissingen/VG Bild Kunst, Bonn 2012

„Endlich geht es los das, Van-de-Velde-Jahr 2013 zu dessen 150. Geburtstag“ zeigt sich Thüringens Kunstminister Christoph Matschie erfreut über die Eröffnung der Werkschau von Max Ackermann im Kunsthaus von Apolda. Denn: sie ist das erste von 14 Projekten, die in diesem Jahr an 30 verschiedenen Orten (Weimar, Gera, Jena, Erfurt, Bürgel usw.) an den „Alleskönner“ Henry van de Velde erinnern, der immerhin 15 Jahre in Thüringen wirkte. Rund 2,2 Millionen Euro kostet das Jubiläum und wird getragen von öffentlicher wie privater Hand. Belgiens König und Deutschlands Bundespräsident haben die Schirmherrschaft übernommen.

Mitunter steht ein Satz für ein ganzes Leben, beispielsweise dieser: „Ich male, was ich muß“. Gesagt hat in Max Ackermann, jener Maler, Grafiker und Porzellanmodelleur, dem ab 13. Januar im Kunsthaus Apolda mit eine Retrospektive mit teils noch nie öffentlich gezeigten Werken gilt: „Von der ornamentalen Linie zur heiligen Fläche“. Möglich wurde diese, nach man auf einem Thüringer Dachboden auf längst vergessene Koffer mit rund 270 Arbeiten auf Papier zum Frühwerk stieß. Nun wäre allein schon dessen überaus fleißiges Schaffen ausreichend für eine solche Personalschau, käme nicht im Jubiläumsjahr des „Alleskünstlers“ Henry van de Velde (1863-1957) hinzu, dass Ackermann zu dessen hochbegabten Schülern in Weimar zählte.

Wer war Max Ackermann, mit dem der Kunstverein Apolda Avantgarde in diesem Jahr neben Curt Herrmann (Impressionist und Pointillist, ab 23. Juni) und Heinrich Vogeler (Jugendstil, ab 7. September) einmal mehr auf Henry van de Veldes Siegeszug in Deutschland aufmerksam macht? Geboren am 5. Oktober 1887 in Berlin, wuchs Ackermann als Sohn eines Thüringer Bildhauers ab 1891 in Ilmenau auf, wo er 1903 eine Lehre als Porzellanmodelleur absolvierte.

Als überaus talentierter Schüler nahm er von Oktober 1906 bis Juni 1907 an den Modellierkursen Henry van de Veldes in der Weimarer Kunstgewerbeschule teil und schrieb darüber ausführlich in seinem Tagebuch. Wobei zu den verschiedenen Trägern dieser Schule auch die Stadtgemeinde Apolda gehörte. Dem belgischen Reformarchitekten galt das kunstgewerbliche Modellieren als Voraussetzung für neue Entwürfe. Ließen sich doch im Modell besser als beim Zeichnen die plastischen Maßverhältnisse und Oberflächen beurteilen. Sensibilität und Vorstellungsvermögen sollten über die dreidimensionale Form gefördert werden. Wobei die Anfänger nach vorgegebenen Modellen tätig waren, Fortgeschritten hingegen nach eigenen Zeichnungen. Ackermann lernte dabei das Abgießen in echter und verlorener Form und setzte sich intensiv mit der ornamentalen Linie auseinander. Van de Velde schließlich ging es in seinem „Kunstgewerblichen Seminar“ darum, die Produktkultur über die künstlerische Ausbildung der Schüler vom Entwerfen bis zum Gestalten zu heben.

Weitere Stationen auf dem Lebensweg des „unbemittelten, jungen strebsamen Bildhauers und Modelleurs“ - wie er sich selbst sah -, waren 1908 in Dresden die Zeichenklasse Richard Müllers, 1909 die Malklasse Franz von Stucks an der Akademie der Bildenden Künste München und schließlich 1912 Stuttgarts Königliche Akademie der bildenden Künstle, wo er in den Schülerkreis Adolf Hölzels kam. Mit Hölzel (1853-1934), der seinerzeit in Gotha zum Schriftsetzer wurde und 2009 mit einer Sonderschau in Apoldas Kunsthaus gewürdigt wurde, lernte er einen Wegbereiter der für ihn „absoluten“ Malerei des Abstrakten kennen. Der künstlerische Weg war frei geworden für die Auseinandersetzung mit den Farbtheorien des Chemikers Chevreul, für „leisklingende Farbkreise“ und gegenstandsfreie Experimente auf der „heiligen Fläche“. Was mit Henry van de Veldes Unterricht in der ornamentalen Linie begann, sollte nun über die Lehre Hölzels vom „Primat der Mittel Farbe und Form“ zu einer eigenen abstrakten Bildsprache führen.

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen gründete Ackermann in Stuttgart zunächst eine Lehrwerkstatt für neue Kunst sowie 1930 ein Seminar für „absolute Malerei“ an der dortigen Volkshochschule. Die Nazis freilich erteilten ihm, dem sozialkritischen, der Abstraktion und dem Konstruktivismus nahe stehenden Künstler, 1936 Lehr- und Ausstellungsverbot, sodass er sich an den Bodensee zurückzog. 1943 zerstörte ein Bombenangriff sein Atelier. Den endgültigen Weg zurück nach Stuttgart fand er erst 1957, als man ihm den Professorentitel zuerkannt hatte. Ausstellungen machten sein Werk deutschlandweit bekannt, Dies sowohl in zahlreichen Radierungen und Siebdrucken wie auch jenen Ölbildern und Pastellen die ihm den Beinamen eines „Malers der (Sehnsuchts)Farbe Blau“ einbrachte. Nachhaltige Sehnsüchte aus seiner Kindheit erfüllte er sich bei Reisen u. a. 1964 nach Italien, wo ihm in Rom „die Pastelle nur so von der Hand“ gingen. 1975 starb er nach einem Schlaganfall und wurde am 14. November in Unterlengenhardt (Schwarzwald) beigesetzt.

Mit seinen „Übungen in absoluter Gestaltung“, seinen klingenden Farben und spielerischen Formen schuf Ackermann ein Oeuvre, das ihm einen Platz in der Welt der lyrischen Abstraktion und der Farbfeldmalerei sicherte. Dem Lebenswerk dieses Künstlers, der immer „ein fröhlicher Maler“ sein wollte, spüren die von Hans Dieter Mück (Utenbach(Apolda) konzipierte Ausstellung und seit langem das Max-Ackermann-Archiv nach. Wäre noch darauf hinzuweisen, dass auch das Van-de-Velde-Jahr einen langfristigen Beitrag mit Blick auf das 100. Bauhaus-Jubiläum 2019 in Weimar darstellt.

Die Apoldaer Ausstellung ist vom 13. Januar bis 1. April zu sehen, Die - So. 10 – 18 Uhr.

Von Wolfgang Leißling