Samstag 21. Oktober 2017

Secondary menu

25.09.2014
Kunsthaus Apolda

Roter Teppich für Henri Matisse

Henri Matisse, Ikarus, Blatt 8 aus „Jazz“, 1947, Schablonendruck
Henri Matisse, Ikarus, Blatt 8 aus „Jazz“, 1947, Schablonendruck, Sammlung Classen im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster (© Succession H. Matisse/ VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Photograph: Archives H. Matisse, all rights reserved)

Es war kein Geringerer als Picasso, der von ihm meinte, er wolle das Paradies neu beleben – mit Sonne im Bauch. Die Rede ist von dem Maler, Grafiker und Zeichner Henri Matisse (1869-1954), für dessen Werk das Kunsthaus Apolda seit dem 21. September den Roten Teppich auslegt. Dies unter dem Motto „Meine gekrümmten Linien sind nicht verrückt“ mit über 100 Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus den Jahren 1903 bis 1952. Dr. Andrea Fromm und Tom Beege aus Hamburg sind wieder einmal die Kuratoren in der Bahnhofstraße 42.

Beide sind sich einig: „Henri Matisse ist einer der herausragendsten Künstler und Neuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts, der die abstrakte Moderne ab den 1950 Jahren, die Pop Art und auch das moderne Design bis heute maßgeblich mitgeprägt hat. Für die ungegenständlichen Kompositionen von Marc Rothko und die Siebdrucke von Andy Warhol spielte er eine wesentliche Rolle. Beide haben die Bedeutung Matisse‘ für ihr Werk stets betont. Für das Kunsthaus Apolda Avantgarde hatten wir anlässlich des 20-jährigen Jubiläums seines Kunstvereins zu Anfang des Jahres eine Ausstellung der Grafiken von Pablo Picasso mit dem Titel `Pablo Picasso – Bacchanal des Minotaurus` kuratiert, der parallel zum Fauvismus Matisse‘ mit dem Kubismus eine andere avantgardistische Kunstströmung ins Leben rief.“ Mit Matisse wollen die Kuratoren im Kunsthaus Apolda Avantgarde den Thüringern und ihren Gästen ein weiteres Highlight bieten, das der Stadt französisches Lebensflair beschert, über das sich auch der Leiter des Institut français in Erfurt, Bertrand Leveaux, und das Musée Matisse in Le Cateau Cambrésis freuen, die das Projekt begleiten.

Übrigens stammt der Titel der Ausstellung aus handgeschriebenen Texten von Matisse und seinem wunderbar farbigen Künstlerbuch „Jazz“, das eins der berühmtesten Künstlerbücher überhaupt darstellt. Es setzt sich zusammen aus 20 Schablonendrucken und einem in feinem Lineament gestalteten Text, in dem Matisse einen philosophischen Monolog über Kunst und Leben hält. Beziehungen der Dinge untereinander, in denen sich für ihn die allumfassende Liebe spiegelte.

Im Mittelpunkt der Ausstellung liegt das Spätwerk ab den 1930er Jahren, vor allem die späten Künstlerbücher wie auch Darstellungen von Odalisken, die ihn von Anfang bis Ende der 1920er Jahre beschäftigten und die in deutlichem Bezug zu den Motiven seines buchillustrativen späten Schaffens stehen. Schwer erkrankt, widmete sich der Künstler seinerzeit vorrangig Buchillustrationen, einem Genre, mit dem er sich schon Anfang der 1930er Jahre auseinander gesetzt hatte. Alles begann mit Illustrationen zu Stéphane Mallarmés „Po´esies“, bei dem Matisse mit Schrift und Bild wie ein Jongleur mit schwarzen und weißen Bällen spielte und sich um eine ornamentale Orchestrierung zwischen beidem bemühte. Seine Lieblingssujets waren weibliche Akte, Gesichter, Motive der griechischen Mythologie, der Tanz und Florales. Wobei den Drucken zu „Jazz“ die berühmten „papiers decoupés“ zugrunde liegen - Scherenschnitte, die Matisse aus vorher mit Goauchefarbe bemalten Papieren ausschnitt. Die Kuratoren sind sich einig, dass gerade die Buchillustrationen fantastische Beispiele dafür sind, wie sich seine an der orientalischen Arabeske orientierte Linie gleichzeitig als Gestaltungsmerkmal und Inhalt zeigt.
Den Besucher erwartet eine hochkarätige Ausstellung, veranstaltet vom Landkreis Weimarer Land, der Kreisstadt Apolda und dem Kunstverein Apolda Avantgarde. Dazu wird ein repräsentativer Katalog angeboten. Weitere Einzelheiten zu Kunst und Leben von Matisse verrät eine Audio-Führung.
Die Ausstellung ist bis zum 14. Dezember jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Wolfgang Leißling