Samstag 26. Mai 2018

Secondary menu

03.04.2014
Innenansichten einer Diva

Das Kunsthaus Apolda erinnert an den Mythos Marilyn Monroe

Marilyn Monroe
Sonderschau "Marilyn Monroe" im Kunsthaus Apolda (Foto: Landratsamt Weimarer Land)

Sie verspricht einen wahrlich gelungenen Beitrag im 20. Jubiläumsjahr des Kunstvereins Apolda: die Sonderschau "Marilyn Monroe" im Kunsthaus Bahnhofstraße 42 vom 5. April bis zum 29. Juni. Denn: es erwartet eine nicht alltägliche Begegnung - ermöglicht durch die Objektive namhafter Porträtisten ihrer Zeit, kuratiert von Ina Brockmann und Peter Reichelt aus Mannheim.

In der Tat, sie liebte die Standbildkamera und ließ sich zum Posieren die aufwendigsten Make-up-Prozeduren gefallen: Marilyn Monroe (1926-1962). Um diesen universellen Film- und Fotoengel bemühten sich internationale Meisterfotografen. Einen exquisiten Beleg für die Leidenschaft zu dieser Stilikone des vergangenen Jahrhunderts liefert diese Exposition, die mit einem Katalog verbunden ist. Wer ist diese Frau, die einmal von sich behauptete: "Ich habe nichts dagegen, dass unsere Welt eine Männerwelt ist, solange ich die Frau darin bin.“? Einige atemberaubende wie introvertierte Antworten bieten sämtliche Räume der einstigen Fabrikantenvilla, die nicht zuletzt auch Modefürsten wie Karl Lagerfeld, Wolfgang Joop oder Willy Bogner die Honneurs bereitet hat.

Voran bei all den namhaften Lichtbildnern steht der Werbefotograf Bert Stern mit seiner legendären Serie „The Last Sitting“. Außerdem versammeln die Kuratoren Ina Brockmann und Peter Reichelt aus Mannheim Fotografien dieses tausendfach abgelichteten Models von George Barris, Allan Grant, Milton H. Greene, Tom Kelley und Leif-Erik Nygards. Mit deren Fotos eroberte Marilyns Gesicht besonders die Männerwelt. Eine Faszination ward geboren, die bis auf den Tag anhält, auch weil sie so jung und rätselhaft aus dem Leben schied. Es war Kelley, der die Reize der blonden, kurvigen Schönen schon 1949 bildnerisch festhielt und es blieb dem „Jukebox-Fotografen“ Stern vorbehalten, dass die Monroe, die eigentlich Norma Jeane Baker hieß, im Juli 1962 - sechs Wochen vor ihrem Tod – drei Tage in einem Hotelzimmer für ihn und die VOGUE posierte. Kontaktabzüge, die sie damals nicht mochte, strich sie trunken mit Nagellack durch. Zwischen all den Terminen stand ein wechselhaftes, schnelles Leben mit Rausch und Tragik dieser auch Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Filmproduzentin. Mit den Shootings offenbarten sich zugleich die so widersprüchlichen Innenansichten der Diva. Erzählt wird, wie Marilyn über die professionelle Abbilder zum begehrten und verklärten Mysterium avancierte. Die in den Räumen des Kunsthauses gezeigten Aufnahmen bedienen freilich von der Modepose im Ballkleid über die nachsinnende Blonde bis zum entblößten Pin up Akt weniger das Spektakuläre, sondern zielen mehr auf die natürliche Persönlichkeit dieser 1,66 m großen Frau. Nie wird sie degradiert zum Lustobjekt, wenn sie Papierrosen vor die Brüste hält oder sich am roten Stoff hüllenlos rekelt. So lädt man denn in Apolda zur erregenden Einkehr bei einem Idol ein, das den sechsten Platz unter den beliebtesten US-Schauspielerinnen einnimmt und die von sich meinte: „Ein Sexsymbol ist ein Ding, und ich hasse es, ein Ding zu sein“. Schade, dass dieser charmante und hocherotische Star mit dem verführerischen Lächeln das normale Leben nicht hinbekommen konnte, irgendwann sein Selbstvertrauen verlor und den Erfolg in Hollywood wohl zu heiß begehrte... Gleichwohl ward sie so zur Ikone und ihre Abbilder zu Bildern einer Zeit, die sie mitprägte. Die Wahrheit kann nur erinnert werden, nie erfunden. So ihr Credo.

Die Ausstellung, zu der eine facebook-Seite eingerichtet wurde (www.facebook.com/Kunsthaus.Apolda) ist bis zum 29. Juni jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Ausstellungen im Jubiläumsjahr: Henri Matissse "Meine gekrümmten Linien sind nicht verrückt" (ab 21. September) und Harald Raeiner Gratz - Retrospektive (ab 13. Juli).

Wolfgang Leißling