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10.12.2011
Das Stadtwappen von Kranichfeld

Wachsamer Vogel mit erhobener Kralle

Oberschloss, Kranichfeld
Das Oberschloss Kranichfeld (Foto: Gernot Merten)

Eine Ortschaft „cranechfelt“ tauchte erstmals 1143 (oder 1147) in einer Urkunde des Erzbischofs Heinrich I. von Mainz für das Kloster Georgenthal auf. Grundherren waren die Herren von Kranichfeld, möglicherweise eine Seitenlinie der Grafen von Käfernburg.

Außerdem besaßen das Kloster Paulinzella und die Abtei Saalfeld Güter in Kranichfeld. Schon 1172 wurde der Ort unter zwei Linien der Herren von Kranichfeld geteilt. Es entwickelten sich eine Oberherrschaft mit dem Oberschloß und eine Niederherrschaft mit der Niederburg, wobei beide Herrschaften durch turbulente Besitzfolgen gekennzeichnet sind. So gehörte das Oberschloß nach dem Aussterben der Grundherren 1380 zunächst den Burggrafen von Kirchberg, ging 1453 an die Herren von Reuß und Plauen, wurde 1615 an die Herzöge von Sachsen-Weimar verpfändet und war wenig später Pfand der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt.

Das Stadtrecht verlieh 1651 die Gräfin Anna Sophie von Schwarzburg. Schon 1663 gehörte es den Herzögen von Sachsen-Gotha, wurde 1704 erneut an die Weimarer Herzöge verpfändet und 1728 durch Sachsen-Gotha-Altenburg eingelöst; 1826 endlich kam es zu Sachsen-Meiningen, wo es bis 1920 verblieb. Von der 1934 ausgebrannten Oberen Burg sind heute noch Ruinen und der 1941 erneuerte Bergfried vorhanden.

Die Niederherrschaft dagegen war bis 1802 erzbischöflich-kurmainzisches Lehen. Belehnt wurden: Von 1237 bis 1412 die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt, bis 1454 die Burggrafen von Kirchberg, bis 1625 die Grafen von Gleichen-Blankenhain, bis 1625 die Grafen von Hohenlohe, bis 1794 die Grafen von Hatzfeld. Die Niederherrschaft ging 1802 als erledigtes Lehen an Kurmainz zurück, war, wie Blankenhain, zwischen 1806 und 1815 zunächst preußisch, französisch und wieder preußisch, gehörte dann dem Großherzogtum Sachsen-Weimar. Damit verlief mitten durch die Kleinstadt Kranichfeld die Grenze zwischen den Besitzungen zweier Herzogtümer (Großherzogtum Sachsen-Weimar und Herzogtum Sachsen-Meiningen). 1913 wurden Ober- und Niederherrschaft dann im Herzogtum Sachsen-Meiningen vereinigt.

Kranichfelds Wappen zeigt einen auf dem linken Bein stehenden Kranich, in der erhobenen Kralle einen Stein haltend. Darüber eine Wolke, aus der eine Hand einen Ölzweig herabreicht. Es handelt sich um ein „redendes Wappen“, in der Heraldik (Wappenkunde) die Bezeichnung für ein Wappen, dessen Inhalt einen bildlichen Bezug zum Namen des Trägers bzw. zum Namen der Stadt hat: In den nassen Wiesenauen um den Ort lebten wohl zahlreiche Kraniche. Das Tier war schon das Familienzeichen der Grafen von Kranichfeld (als Familienwappen allerdings im dreieckigen Schild) und findet sich auch im frühesten Stadtsiegel von 1651 mit der Umschrift „INSIGEL DES NEVEN STÄDTLEINS KRANICHFELD IM FRIEDENSIAHR VON DER HERRSHAFT ERTHEILT 1651“. In der Heraldik gilt der Kranich, gelegentlich mit einem Stein oder einer Kugel (im Stadtwappen von Neugersdorf/Lausitz mit einem Hufeisen) in der erhobenen Kralle, außerdem als Symbol der Wachsamkeit. Der aus der Wolke herausgereichte Ölzweig ist wahrscheinlich ein Symbol des Pietismus, einer Frömmigkeitsbewegung des frühen 18. Jahrhunderts.

Stefan Wogawa