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29.10.2011
Dorfkirche von Schwarza

Als beim Gottesdienst die Emporen brachen

Dorfkirche von Schwarza
Dorfkirche von Schwarza (Foto: Gernot Merten)

Es sind mehr als 2.000 Sakralbauten, Pfarrhäuser und Leichenhallen nicht eingerechnet, die in Thüringen existieren. Zieht man von dieser Zahl die Kirchen in den thüringischen Städten ab, bleiben die Dorfkirchen – es sollen über 1.400 sein. Sie stehen also in jedem noch so kleinen Dorf, meist im historischen Zentrum des Ortes und alle anderen Gebäude überragend.

In früherer Zeit war diese Zentrumsfunktion nicht nur eine räumliche: die Kirchen bildeten als Versammlungsraum der Gemeinde zum Gottesdienst den geistigen, kulturellen und sozialen Mittelpunkt des Dorflebens. Dass aber auch hier Ernstes und Heiteres dicht nebeneinander liegen, zeigen einige Episoden aus der Geschichte der Dorfkirche von Schwarza (heute Ortsteil von Blankenhain).

Über die genaue Zeit des Erstbaues einer Kirche in Schwarza vermag der Diakon C. Ackermann, Verfasser einer 1828 erschienenen Chronik von Blankenhain, nichts zu sagen. Nur, dass der Ort wohl schon „in den ältesten Zeiten eine Kirche gehabt haben“ mag. Als früheste Zeitangaben nennt er die Jahre 1617, in welchem der Kirchhof mit einer Mauer umgeben wurde und 1640, als die Kirche ein neues Schindeldach erhielt. Bedenkt man, dass die Reformation in diesem Gebiet 1525 durch die Grafen von Gleichen eingeleitet wurde und erste sogenannte Kirchenvisitationen zur Überprüfung der Pfarrer und der, so eine andere Blankenhainer Chronik, „kirchlichen und sittlichen Zustände in der Grafschaft“ 1529 stattfanden, läßt sich zumindest der Zeitpunkt des Beginns evangelischer Gottesdienste in Schwarza näher bestimmen. Aus gleicher Quelle, der Chronik des Diakons Walther Bankwitz von 1922, ist zu entnehmen, dass sich aufständische Bauern während der Bauernunruhen des Jahres 1525 im Raum Blankenhain nicht, wie in anderen Gegenden Thüringens geschehen, an Kirchengut vergriffen hatten. So sei in der Schwarzaer Kirche noch ein „heiliges Gefäß“, ein silberner Kelch aus vorreformatorischer Zeit, vorhanden gewesen.

Nach der Blankenhainer „Parochialordnung“ – der Ordnung der Gottesdienste im Pfarrbezirk – vom August 1623 hatte der jeweilige Diakon, ein noch vor der Priesterweihe stehender Hilfsgeistlicher, in den sogenannten Filialen, den außerhalb der Stadt liegenden Gotteshäusern, die Gottesdienste durchzuführen. In Schwarza fanden diese sonntäglich statt, in den ebenfalls nahe Blankenhain gelegenen Orten Rottdorf und Dörnfeld dagegen nur abwechselnd jeden zweiten Sonntag.

Frühe Nachrichten aus Ackermanns Chronik berichten, dass die Kirche in Schwarza 1610 eine neue Kanzel erhielt, die durch freiwillige Beiträge (also Spenden) finanziert wurde. Sieben Jahre später wurde der Kirchhof mit einer Mauer umgeben. Die seinerzeit baufällige Kirche musste dann 1640 ausgebessert werden und erhielt ein neues Schindeldach. Der Altar wurde 1694 mit blauem Tuch ausgekleidet. Weiter weiß Ackermann zu berichten, dass die Schwarzaer Kirche später in einen solch schlechten Bauzustand kam, „daß man sie von Grund auf neu bauen mußte“, was 1716 geschah. Am 12. Dezember war Richtfest für den Kirchturm, woran noch heute eine in die Wetterfahne eingeprägte Jahreszahl erinnert. Dabei erhielt der Turm seine schiefergedeckte geschweifte Kuppel im barocken Stil. Im darauffolgenden Jahr besorgte ein Konrad Schöningen die malerische Ausgestaltung des Innenraums.

Im Jahre 1729 kaufte die Gemeinde eine alte Orgel aus Rothenstein für „21 Thaler, wozu die Gemeinde 8 Thlr. verehrte“. 1757 bekam der Turm eine Uhr und 1761 ließ man in Rudolstadt bei Johann Mayer die große Kirchglocke gießen. Am 28. August 1810 schlug ein Blitz in die Kirche ein, genau um vier Uhr am Nachmittag, wie die Chronik berichtet. Glücklicherweise brannte nichts, dennoch waren wieder Reparaturen nötig. Sie kosteten die Gemeinde diesmal 36 Taler, „welches Geld durch eine im Erfurter Land veranstaltete Kollekte zusammengebracht wurde“.

Kurioses geschah dann 1817: Am 12. Mai feierte das Dorf das hundertjährige Jubiläum des Neubaus der Kirche, obwohl diese schon wieder vom Einsturz bedroht war. Und so krachten während der Predigt - die Kirche war voller Menschen - die baufälligen Emporen und wären, wie Ackerman beschreibt, gebrochen, „hätte sich nicht schnell die Menge zur Kirche hinausgestürzt“. Der Gottesdienst ging weiter - die Predigt hielt man danach einfach im Freien ab. Nach der Chronik der Blankenhainer Geistlichen muß der geistesgegenwärtige Prediger der Magister Christ. Friedrich Gottfried Teuscher gewesen sein, der in Blankenhain von 1816 bis 1824 die Stelle eines Diakons, damals noch wie in katholischer Zeit Kaplan genannt, bekleidete.

Nicht zuletzt wegen dieses Vorfalls entschloss sich die Gemeinde, damals 147 Einwohner, 1826 „ihrem baufälligen, düsteren Gotteshaus eine neue und freundliche Gestalt zu geben“. Die Dorfbewohner selbst bekamen neben Bauholz auch 140 Taler zusammen, baten aber, da sie die nötigen Mittel nicht aufbringen konnten, um den Zuschuß „einer Landeskollekte“. Kirchen- und Gemeindekasse waren nicht in der Lage, etwas zum Bau zuzugeben.

Nach dem I. Weltkrieg setzte man den Gefallenen im Kirchgarten einen Gedenkstein. Wenig schmeichelhaft für das Schwarzaer Gotteshaus ist eine Schilderung, die Ackermann, der diese Stelle von 1825 bis 1827 selbst innehatte, über den beschwerlichen und anscheinend nicht ungefährlichen Dienst der Blankenhainer Diakone gibt: „Erhitzungen und Erkältungen, besonders in den feuchtkalten Mauern der Kirchen von Schwarza und Dörnfeld, konnten nicht ausbleiben“.

Stefan Wogawa